Peugeot Pfeffermühlen, Kaffeemühlen: historische Entwicklung

Text: Dieter Johannsen, Dipl. Soziologe

Die ältesten Söhne von Jean Pierre Peugeot (einem Färber, der von 1734-1814 lebte) Jean Pierre und Jean Frédéric Peugeot, erben im Jahre 1810, das auch als Gründungsjahr von Peugeot gilt, eine Ölmühle, die in Sous-Cratet steht.

Diese Mühle wird in eine Eisengießerei umgebaut, in der zunächst feine Stahlbänder und Federn, später in weiteren Fabriken auch Werkzeuge und Eisenwaren produziert werden. Für die Herstellung von Sägen meldet Peugeot bereits 1818 sein erstes Patent an.

Um 1825 werden täglich etwa 150 kg Stahl von 70 Arbeitern verarbeitet. Gleichzeitig wird die Produktpalette allmählich breiter und erstreckt sich auf mechanische Schermaschinen, Federn für Phonographen, Regenschirme, Rasierklingen und verschiedene landwirdschaftliche Geräte.

Die ersten Kaffeemühlen, mit denen man Kaffeepulver bzw. Kaffeemehl aus gerösteten Kaffeebohnen für Filterkaffee herstellen kann, entstehen 1840 und werden in 10 verschiedenen Größen aus Holz und Blech als 'Modell R' gefertigt, hatten in den ersten 30 Jahren (bis 1870) aber noch keinen besonderen Produktnamen.

Vermutlich entstehen die ersten Pfeffermühlen der Firma Peugeot bereits im Jahre 1842 (hier sind die Angaben nicht eindeutig) und ersetzen den bis dahin den zum Zermahlen des Pfeffers gebräuchlichen Mörser mit dem sogeannten Pistill. Mit der Pfeffermühle ließ sich der Pfeffer endlich mit verblüffenden Mühelosigkeit gleichmäßig mahlen und dosieren; Speisen ließen sich vorteilhafter, feiner, geschmacklich auf höherem Niveau würzen.

In den Pfeffermühlen kommt in der Regel ein Kegelmahlwerk zum Einsatz, das eine Justiervorrichtung zum Einstellen des gewünschten Mahlgrades aufweist. Für das Mahlwerk wird eine patentierte, korrosionsfreie und äußerst zähe Edelstahllegierung verwendet, die den Hauptbestandteil der Pfeffermühle bildet. Wobei der Terminus "zäh" die besondere Elastizität des verwendeten Stahls beschreibt. Ein vorzeitiger Verschleiß oder ein ungewolltes Brechen von Teilen des Mahlwerks wird somit signifikant minimiert bzw. so gut wie vollständig vermieden.

Als Logo wird 1850 das Symbol des Löwen eingeführt. Entstanden ist diese Idee aufgrund der an den Rachen eines Löwen erinnernden Sägezähne von Peugeot-Sägeblättern. Dabei verkörpert der Löwe die drei Kernqualitäten der Sägeblätter: Robustheit, Elastizität der Klingen und den schnellen Schnitt. Von nun an erscheint der Löwe auf allen Sägeblättern.

Zum festen Markenzeichen wird der Löwe schließlich 1858 durch die offizielle Patentanmeldung des Symbols "Löwe auf Pfeil". Immer wieder wird in den darauffolgenden Jahren die Haltung (Stellung) des Löwen modifiziert und mündet endlich in den noch heute Verwendung findenden drei Haltungen: Auf Pfeffermühlen sehen wir den Löwen mit seinen vier Beinen auf einem Pfeil stehend, auf Fahrrädern aufrecht sitzend und auf den Autos steht er aufrecht mit erhobenen Tatzen auf seinen Hinterläufen.

Die erste von Peugeot gefertigte Tischpfeffermühle ist das Modell Z. Sie wurde 1874 gefertigt und gilt bis heute als Erfolgsmodell. Der Korpus bestand zunächst aus weißem Porzellan, später aus Metall, dann aus Bakelit (ein hitzebeständiger duroplastischer Kunststoff auf Basis von Phenolharz) und schließlich aus Holz.

Die Pfeffermühle Modell Y entsteht 1879 und ist eine Besonderheit, da sie mit dem im Kopf untergebrachten Mahlwerk kopfüber verwendet wird.

Mit den Modelle A, C und X kommen 1881 durchweg zylindrische Pfeffermühlen auf den Markt. Bei den Modellen A und C besteht der Korpus aus Kristall, Fuß und Schale sind aus Holz. Die Pfeffermühle des Modells X leistet sich einen Korpus, der ganz aus Glas besteht.

1889 verlassen bereits 450.000 Kaffeemühlen das Peugeotwerk. 5 Jahre später entsteht eine nur 50 mm große Pfeffermühle, die auf dem Modell Z basiert und wegen Ihrer Größe "Juwel" genannt wird.

Die erste Wandkaffeemühle wird 1920 produziert und in den Folgejahren mit mehr als 200 verschiedenen Modellen weiterentwickelt.

Die 1936 entwickelte Kaffeemühle 'Ric' gilt aufgrund Ihrer ungewöhnlichen Formensprache zu jener Zeit als eine 'moderne Luxusmühle'.

In den 50er Jahren ist das Praktische, Leichte und Platzsparende die Signatur der Zeit. Folgerichtig kommen 1952 die ersten handlichen, elektischen Kaffeemühlen mit den Modellen Lion, Weekend, Rubis oder Ric auf dem Markt. 17 weitere Modelle sollen folgen.

Die Pfeffermühlen werden weiterentwickelt, neue manuelle Modelle kommen auf den Markt. 1953 entsteht das noch heute erhältliche Modell 'Hostellerie', das wegen seiner schlanken Form besonders auffiel und noch heute geschätzt wird. 1956 entsteht das als Klassiker geltende Modell 'Auberge' und 1958 das ganz aus rostfreiem Stahl bestehende Modell 'Peuginox'.

Das Pfeffermühlen-Sortiment wird 1968 um ein weiteres Modell ergänzt, das wegen seiner schlichten und modernen Form auch heute noch angeboten wird. Es trägt den Namen 'Tahiti'.

Das erfolgreichste Modell mit der Bezeichnung 'Paris' wird 1987 entworfen und steht ganz in der Tradition von Peugeot-Pfeffermühlen. Mit seiner betont runden, gefälligen, bauchigen Linienführung liegt diese Gewürzmühle optimal in der Hand. Seit Jahrzehnten gilt das zum absoluten Klassiker gereifte Modell als Referenz in der internationalen Spitzengastronomie und stellt zudem einen optischen Höhepunkt in zahlreichen Privathaushalten dar. Erhältlich ist das Modell 'Paris' in den unterschiedlichsten Größen (von 10 bis 110 cm) und 5 verschiedenen Farben.

Erstmals kommt transparentes Acryl bei der Produktion von Pfeffermühlen zum Einsatz. 1990 erblickt das Modell 'Nancy' das Licht der Welt.

1996 wurden eine Million Pfeffermühlen verkauft; ein Jahr später präsentiert Peugeot die erste elektrische Pfeffermühle.

2004 wird das System zum Einstellen des Mahlgrades neu entwickelt, u'Select kommt auf den Markt. Hierbei handelt es sich einen 6-stufigen Einstellring, der am unteren Ende der Pfeffermühle angebracht ist. Dieser sorgt für eine präzise und leicht einstellbare, nicht mehr selbstständig verstellbare Mahlstufe. Der Vorteil ist ein in jeder Stufe gleichbleibend zuverlässiges Mahlergebnis.

Die erste, wiederaufladbare Peugeotmühle entsteht 2005 und trägt den Modellnamen 'Elis'. Diese ist im Set erhältlich, bestehend aus einem aufladbaren Motor und zwei Mühlen. Mit einer Hand läßt sich komfortabel der Übergang von Pfeffer zu Salz einstellen.

Nachweise:

1. PSP Deutschland
2. Wikipedia

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